Die dunkle Göttin

Die dunkle GöttinDiese Seite ist der allegorischen Schutzherrin des Tempels gewidmet, welche ich als meine persönliche, psychonautische Führerin durch die Unterwelt auch gerne als Hellvetia bezeichne. Sie vereinigt in sich zum einen das Blut einer Hexe, also eines emanzipierten Weibes, welches fähig ist sich zu seiner Sexualität zu bekennen, wie auch jenes einer Göttin, also einer autarken Persönlichkeit, welche unnahbar über dem Weltgeschehen thront und sich vom lächerlichen Treiben auf unserem Planeten nicht aus der Ruhe bringen lässt.

Als Sinnbild für das Scharlachweib ist sie jene Braut, mit der ich das grosse Werk vollenden will, in dem ich mein Blut bis zum letzten Tropfen in ihren heiligen Kelch fliessen lasse. Aleister Crowley umschreibt sie im ‚Buch Thot‘ unter anderem mit folgenden Worten: „Sie reitet mit gespreizten Beinen auf dem Biest; in ihrer linken Hand hält sie die Zügel als Symbol der sie miteinander vereinigenden Leidenschaft. In ihrer Rechten hält sie den Kelch in die Höhe, den Heiligen Gral entflammt von der Liebe und dem Tod.“

In der Geschichte des menschlichen Daseins nahm die dunkle Göttin als Quintessenz der grossen Urmutter schon unzählige Formen und Gestalten an, so begegnet Sie uns unter anderem in der nordischen Mythologie als Hel, die Tochter von Loki, wo Sie halb tot und halb lebendig die Herrscherin über das Totenreich darstellt und im Hinduismus als Kali, die Göttin des Todes und der Zerstörung, welche ihre Wut gegen Dämonen und Ungerechtigkeiten richtet. Weitere Aspekte von Ihr findet man im Wesen der Lilith, welche nach dem Talmud die erste – ihm gleichgestellte und ebenbürtige – Frau von Adam war, oder in der ägyptischen Isis, welche durch ihre Magie den zerstückelten Osiris wieder zum Leben erwecken konnte, um mit ihm Horus zu zeugen. Auch in der keltischen Morrígan, Sie beschützt Priesterinnen und Hexen, und der griechischen Nemesis, Tochter der Nacht, sowie unzähligen weiteren Gottheiten lassen sich Züge von Ihr erkennen.

Lilith - dunkle Göttin»Licht ist Stoff, und Dunkelheit ist reiner Geist. Dunkelheit in ihrer innewohnenden, metaphysischen Grundlage ist subjektives und absolutes Licht, Licht in all seinem Glanz und der Pracht dagegen bloß eine Menge von Schatten, und da es niemals ewig sein kann, nur eine Illusion oder Maya.«

Helena Petrowna Blavatsky (1831-1891)

Die Hingabe an die dunkle Göttin, welche in ihrer Eigenschaft als Urmutter mit ihrem Wesen alles überstrahlt, umfasst und durchdringt, gibt dem geneigten Wesen durch die Schaffung von Distanz die Möglichkeit, wirkliche Nähe zu erleben und eine Verbindung mit allem herzustellen. In dem Sie ihre freiwilligen Sklaven davon befreit, zwischen einem Ding und einem anderen einen Unterschied zu machen, erlöst Sie diejenigen von ihren Verstrickungen und erzeugt in ihnen ein Gefühl von wirklicher Freiheit, welches an keine Bedingungen geknüpft ist. Zudem stählt Sie die Fähigkeit zu tatsächlicher Liebe, in dem Sie ihre Verehrer einer fortwährenden Prüfung unterzieht, welche konstant den Willen ihrer Verehrer prüft, um festzustellen wie es mit ihrer Liebesfähigkeit aussieht.

Wer der dunklen Göttin also mit einem reinen Herzen entgegentritt, wird in ihrem Schoss pränatale Geborgenheit und jenseitige Gefühle der Lust finden, die an Intensität und Intimität nicht zu überbieten sind, wer in seiner Liebe aber zögert und in Ihr nur die Befriedigung seiner Triebe sucht, den wird Sie mit qualvollen Schmerzen und tellurischer Verderbnis bestrafen. Prüfe also genau, ob du bereit bist dich ihrem Wesen hinzugeben, bevor du diesen Schritt tust, denn die Gefahren und Stolperfallen sind überaus zahlreich. Wer dies jedoch mit dem Geist eines unschuldigen Kindes tut, dessen Vorstellungen noch nicht von den gesellschaftlichen Moral- und Glaubensdogmen korrumpiert sind, der wird sich dadurch eine Welt erschaffen, deren dunkles Licht alle Sorgen und Nöte hinwegfegt und höchste Genüsse bietet, welche alle irdischen Freuden nur als billigen Abklatsch eines wahrhaftigen Paradieses erscheinen lassen!